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Das magische Fünfeck des Erfolgs


Anmerkungen von Dr. Matthias Esche zur Qualitätsproblematik im deutschen Fernsehen erschienen in "Der Rotarier", Heft 4, April 2001

1. Fernsehen wird für immer mehr Zuschauer ein "Nebenbei-Medium", ähnlich wie das Radio. Ein Grund dafür ist, dass der Anteil auf gefällige Zerstreuung konzentrierter Programme auf dem Vormarsch ist und insbesondere die werbeintensiven Hauptsendezeiten in Teilen erobert hat. Viele Sendungen verdienen eine geteilte Aufmerksamkeit. Die Vielfalt des Programmangebotes erschwert zudem eine bewusste Selektion und Konzentration auf wirklich Gewolltes. Zuschauerbindungen lösen sich auf, Programmzapping dominiert. Der an sich legitime, aber zunehmend härter werdende Kampf um die Zustimmung möglichst vieler Zuschauer (darin liegt die Bedeutung der Quote) verführt manche Programmverantwortliche zu Niveauabsenkungen - der gefährliche Beginn einer Todesspirale für Qualitäts-Fernsehen.


2. Mag der Tiefpunkt des Niveauverlustes in Einzelfällen auch noch nicht erreicht sein, so gibt es doch berechtigte Hoffnung: auf Voyeurismus abzielende Programme wie Big Brother und seine Epigonen sind nach Anfangserfolgen als dauerhafter neuer Trend gescheitert. Anspruchsvolle Produktionen im fiktionalen Bereich (z.B. "Der Tunnel, SAT.1), erstklassige Talkshows (ARD), große Dokumantationen (ZDF), aber auch Günter Jauch genial unterhaltsam aufbereitetes Bildungsfernsehquiz (RTL) zeigen, dass Zuschauer Qualität erkennen und honnorieren, wenn sie ihnen geboten wird. Qualität und Quote schließen sich nicht aus. Möglichste viele Zuschauer in der Quantität des täglich Angebotenen zur Qualität zu verführen bleibt die große Herausforderung für Programmmacher und Programmverantwortliche.


3. Was zeichnet Qualitätsfernsehen aus? Seriosität, Recherchentiefe, Wahrhaftigkeit verbunden mit hohen Standards in handwerklichen und künstlerischen Details sind für alle Programmfarben gültige Werte. Der fiktionale Bereich verlangt im Besonderen starke Geschichten, nachvollziehbare Charaktere, eine glaubwürdige Besetzung sowie ein präzises und professionelles Zusammenspiel aller Gewerke (Kamera, Licht, Ton, Ausstattung, Kostüme, Schnitt etc.) Die Parameter des Erfolges für ein bezahlbares und qualitativ orientiertes Programm bilden ein magisches Fünfeck. Die Kriterien im Einzelnen dafür sind:

- die Quote
- die veröffentlichte Kritik
- die Wirtschaftlichkeit
- die Wiederholungsfähigkeit
- die brancheninterne Kritik

Wenn diese Kriterien erfüllt sind, ist die ersehnte Synthese aus Qualität und Quote gelungen


4. Der Kostendruck in einem verschärften Wettbewerb erzwingt den denkbar sparsamsten Mitteleinsatz in allen Programmsegmenten. Die tägliche Gebrauchsware Fernsehen dennoch auf bestmöglichem Niveau herzustellen ist schwierig genug. Darüber hinaus werden kostenintensive Event-Programme vom Zuschauer nachgefragt. Dazu gehören Übertragungen von Sportereignissen, Shows ebenso wie aufwändige Dokumentationen und ambitionierte Fernsehfilmprojekte. Diese Highlights müssen gepflegt werden. Sie sind als Leuchttürme der Qualität unverzichtbare Orientierungshilfen in der Unübersichtlichkeit eines immer noch steigenden täglichen Programmausstoßes.


5. Die Medienpädagogik wird in Erziehung und Unterricht stärker zu berücksichtigen sein. Der kritisch-souveräne Umgang mit Fernsehen muss als Kulturtechnik ebenso gelernt und trainiert werden wie Lesen und Schreiben und das Beherrschen eines Computers. Das Zusammenfließen von Fernsehen und Internet mit einer neuen Dimension interaktiver Möglichkeiten wird diese Forderung in Zukunft noch dringlicher erscheinen lassen. Das Heranwachsen mündiger Zuschauer vermehrt die Chancen für das Qualitätsfernsehen von morgen.


6. Jenseits weitverbreiteter berechtigter und auch nicht berechtigter Kritik am Fernsehen sollte eines nicht vergessen werden: Wer in der Lage ist, unter dreißig Programmen mit Verstand auszuwählen (in einigen Jahren werden es 900 Programme sein), kann jeden Tag zu jeder Zeit auf seine Kosten kommen. Das gilt für die Bereiche Information, Bildung und Kultur uneingeschränkt. Allein für den Sektor Unterhaltung muß man Abstriche konzedieren, wenn man von vielfach eingesetzten Spielfilmen absieht. Fernsehen in Deutschland ist ganz offensichtlich besser als sein Ruf. Dass die eher positiv zu sehende Bilanz so bleibt und eher noch besser wird, sollte für jeden, der in dieser Branche mitwirkt, Ansporn und Verpflichtung zugleich sein.

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