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 TV  Aktenzeichen XY...ungelöst

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"XY ist eine Arbeit mit messbarer Wirkung"
sagt 
XY-Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize


Sie sind seit 17 Jahren Chefredakteurin der Sendung. Kriminalität, glaubt man, ist Männersache. Stimmt das?  "Kriminalität ist in der Tat Männersache, Kriminalitätsbekämpfung schon lange nicht  mehr! Ich befinde mich da in einer langen Tradition von Staatsanwältinnen, Kriminologinnen und Polizeibeamtinnen....

.... Außerdem begreife ich mich nach wie vor in erster Linie als Journalistin und Fernsehmacherin. Da sind wir Frauen zum Glück keine Exoten mehr. Übrigens ist die Produktionsabteilung von "XY" lange Jahre auch von einer Frau geleitet worden, Sabine Zimmermann.

Was dachten Sie, als man Ihnen die Redaktionsleitung dieser Sendung anbot?

Ich war bereits vier Jahre Redakteurin bei "XY", als mir Eduard Zimmermann offenbarte, dass er mich als seine Nachfolgerin in der Redaktion etablieren wollte. Ich, die damals Jüngste in der Redaktion, war natürlich überrascht. Eine solche Entscheidung hätte ich Eduard Zimmermann ehrlich gesagt nicht zugetraut. Von der Sache her wusste ich natürlich, auf was ich mich da einlasse: Ich habe mich immer für das Thema Kriminalität und ähnliche gesellschaftliche Erscheinungen interessiert, daher ja auch Soziologie und Recht studiert. "XY" ist bis heute eine Sendung, für die ich aus voller Überzeugung und aus ganzem Herzen arbeite. Ich empfinde es als Privileg, als Journalistin mit solch konkreter und messbarer Wirkung arbeiten zu können. Das ist in unserem Beruf doch eher eine Seltenheit.

Sie sehen Bilder, die der Öffentlichkeit oft nicht gezeigt werden können. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe mir einen möglichst sachlichen und professionellen Umgang mit dem Thema angeeignet. Doch ganz kann man sich natürlich nicht vor dem Schrecken abscheulicher Verbrechen verschließen. Gerade auch wenn es um Kinder und Jugendliche als Opfer geht. Bei uns in der Redaktion hat jeder seine eigene Strategie entwickelt, mit den zum Teil sehr belastenden Details umzugehen. Ich hatte zum Beispiel nach einem Recherchetag vor Ort oft das Bedürfnis, ein heißes Bad zu nehmen, mir den Schmutz also quasi von Körper und Seele zu waschen. Nachdem ich in den ersten Jahren meiner Tätigkeit für "XY" begierig war, jedes Detail aus den Obduktionsberichten zu erfahren, bin ich da heute zurückhaltender und erspare mir gerne mal all zu schaurige Einzelheiten.

Warum ist "Aktenzeichen XY... ungelöst" seit über vierzig Jahren so erfolgreich?

Weil "XY" ein einmaliges Format ist, das mittlerweile weltweit kopiert wird. Kriminalität ist für viele Menschen aus unterschiedlichsten Gründen interessant und faszinierend. Die Sendung erfüllt zum einen das Bedürfnis nach Information, zum anderen unterhält sie mit spannenden, manchmal fast unglaublichen Geschichten. Außerdem hat der Versuch, den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen, bzw. eine große Öffentlichkeit zur Aufklärung mit heranzuziehen, von Anfang an zu einer Aufklärungsquote von über 40 Prozent geführt. Damit war das Instrument "XY" sehr schnell auch ein anerkanntes Fahndungsmittel der Polizei.

Lange Zeit wurde die Sendung kritisch hinterfragt. Das hat sich inzwischen vollkommen geändert. Warum?

Die gesellschaftlichen Bedingungen und Sichtweisen haben sich gewandelt. Unsere schärfsten politischen Gegner sind heute längst unsere größten Befürworter und Unterstützer. Zum Beispiel Otto Schily, der als Anwalt von Baader/Meinhof ein Gegner von "XY" war, hatte Jahre lang als Bundesinnenminister die Schirmherrschaft für unseren "XY-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen" inne. Der Geist der 68er verblasst so langsam, Kriminalitätsbekämpfung wird nicht mehr gleichgesetzt mit dem Ruf nach dem zu Recht gefürchteten Polizeistaat. Medien berichten heute so viel und zum Teil so reißerisch über Kriminalität, dass eine Sendung wie "XY" durch ihre Sachlichkeit und Seriosität auffällt.

Das Kriminalitätsbild ändert sich ständig. Wie reagiert "XY" darauf?

Wir versuchen, durch die Auswahl der Fälle auch den neuen Formen der Kriminalität Rechnung zu tragen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufnahme von schwerer Kriminalität im Internet in unsere Sendung. 1999 haben wir erstmals in der Geschichte der Fernsehfahndung nach der Identität eines missbrauchten Kindes gefragt, dessen Fotos im Internet aufgetaucht waren. Zusammen mit der Spezialabteilung des Bundeskriminalamtes haben wir damals lange und gründlich überlegt, ob wir damit richtig im Sinne des Opferschutzes handeln. Gemeinsam mit der zuständigen Staatsanwaltschaft haben wir dann die Regelung gefunden, bei Hinweisen auf fortgesetzten Missbrauch die Bilder im Sinne einer schnellen Aufklärung zu veröffentlichen. Nur drei Tage nach der Ausstrahlung konnte bei unserem ersten Versuch das Kind tatsächlich identifiziert und der Täter ermittelt und festgenommen werden. Inzwischen wurden auf diese Weise mehrere Kinder aus den Fängen skrupelloser Sexualtäter befreit. "XY" hat damit wieder einmal weltweit Schule gemacht. USA und Kanada bemühen sich seitdem, ebenfalls den Weg über das Fernsehen bei der Bekämpfung von Internetkriminalität gehen zu können. In den USA wurden inzwischen mehrere ähnlich gelagerte Fälle ausgestrahlt und ebenfalls kurze Zeit später aufgeklärt.

Der "moderne" Fernsehzuschauer ist Sensationen, spektakuläre Berichterstattung und schnelle Bilder gewöhnt. Wie schaffen Sie die Gratwanderung zwischen neuen Sehgewohnheiten, Auftrag und Anspruch der Sendung, Erwartung der Polizei und dem Quotendruck?

"XY" hat einen großen Vorteil: Die Tatsache, dass wir reale Fälle nachstellen und diese nicht zur reinen Unterhaltung, sondern zum Zwecke der Aufklärung zeigen, verleiht der Sendung ein ganz eigenes Profil. Die Zuschauer kennen "XY" meist schon seit ihrer Kindheit und schauen mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung zu. Wir haben daher nur sehr behutsam und nach und nach eine Modernisierung vorgenommen, haben junge, ambitionierte Regisseure am Start, die auf ganz anderem Gebiet ihre Regieerfahrungen gesammelt haben. Wir bekommen von ihnen frischen Input und Ideen für die Umsetzung. Ansonsten legen wir bei unseren Drehbüchern viel wert auf Kontinuität, damit das Aktenzeichen-Typische erhalten bleibt.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Rudi Cerne?

Rudi Cerne ist für die Sendung ein Glücksfall. Mit ihm haben wir einen überaus professionellen, engagierten und durch und durch sympathischen Kollegen mit im Boot, ohne den wir uns "XY" heute gar nicht mehr vorstellen können. Und das geht dem Publikum offenbar genau so. In kürzester Zeit hat er es geschafft, zur Identifikationsfigur von Aktenzeichen zu werden, weil er voll und ganz hinter dem Thema steht und persönlich ehrlich involviert ist. Trotz des übergroßen Erbes, das er von Eduard Zimmermann übernommen hat, kann man inzwischen mit Fug und Recht behaupten: Rudi Cerne ist "XY" und umgekehrt.

Unter Ihrer Federführung wurde 2002 der "XY-Preis" ins Leben gerufen. Warum?

Der "XY-Preis" ist eine logische Konsequenz aus unserer intensiven Zusammenarbeit mit der Polizei. Nachdem in den Medien immer wieder mangelnde Zivilcourage bei der Bevölkerung beklagt worden ist, berichteten uns gleichzeitig die Kriminalbeamten immer wieder von mutigen Bürgern, die bei schweren Verbrechen Schlimmeres verhindert hatten. Die Beamten bedauerten ihre mangelnden Möglichkeiten, diesen Menschen Anerkennung zukommen zu lassen. Was lag da näher, als die Popularität von "XY" zu nutzen, um das zu übernehmen und positive Beispiele für couragiertes Verhalten zu zeigen.

Wird es "Aktenzeichen XY" auch noch in 40 Jahren geben?

Davon bin ich überzeugt, denn der Einsatz der Medien wird immer wichtiger. Für die Ermittlungsbehörden ist es längst Standard, die Medien zu nutzen. Für sie ist "Aktenzeichen" ein wichtiges Instrument. In Zeiten schwindender Grenzen braucht es überregionale Berichterstattung. Auch bei der Polizei geht der Trend in Richtung Bundes- und sogar Europaeinheiten. "XY" unterstützt heute schon Ermittlungen der benachbarten Länder und kooperiert mit Schwestersendungen im Ausland. Dies alles wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wie auch die Komplexität der Kriminalität zunehmen wird.

Quelle: Auszug aus dem ZDF Presse Spezial: 40 Jahre Aktenzeichen XY ungelöst, laufend ergänzt durch Anpassung der genannten Zahlen.

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